29. Mai 2009

Mehr Demokratie im Klassenzimmer

Von Susanne Socher / Ronald Pabst

Skeptische Blicke und gespannte Aufmerksamkeit empfingen Susanne Socher in den Klassenzimmern der zehnten Klassen der Realschule Vaterstetten. Dort stand das Thema „Mehr Demokratie – heute entscheiden wir selbst“ auf dem Stundenplan. Susanne berichtet von einer Informationsveranstaltung, die im Rahmen der Aktion „Vaterstetten stimmt ab“ stattgefunden hat.

„Ich betrat die Schule, wohl wissend, dass Jugendliche im Alter von 16-18 Jahren eigentlich ganz was anderes im Kopf haben als Politik. Nach ein paar einführenden Worten durch den Schulleiter Herrn Wagner und einer Vorstellung davon, wer wir von Mehr Demokratie eigentlich sind und was wir so machen, ging es auch schon los.

Zuerst wurden die Tische auf die Seite geräumt, was zunächst zu einigem Gelächter seitens der Schüler führte: „Das ist ja wie im Kindergarten…“. Doch schnell wurden die Vorteile klar und selbständig von den Schülern erkannt: „Man spricht auf einer Augenhöhe“, „man kann sich gegenseitig anschauen und Zuhören“, „man kann sich nicht hinter seiner Bank verstecken“ und „ein Gefühl von Gemeinschaft entsteht“. Nun ging es weiter damit, dass die Klasse ein Thema finden sollte, das alle interessiert, das aber auch kontrovers ist, denn wir wollten ja so tun als gebe es ein Volksbegehren was es zu entscheiden gilt.

Die Vorschläge der Schüler reichten von Schuluniform über Versammlungsgesetz und Jugendschutzgesetz bis hin zur freien Wahl des Religionsunterrichts. Nachdem verschiedene Abstimmungsmöglichkeiten erläutert wurden (Präferenzwahl, Alternativwahl, Mehrheitsentscheidung) wurde sich schließlich auf ein Thema geeinigt. Dann gab es die erste (geheime) Abstimmung wie die einzelnen zu dem Thema stehen.

Anschließend wurden zwei Gruppen gebildet. Die eine hatte den Auftrag Pro-Argumente zu finden, die andere suchte Contra-Argumente. In einer simulierten Bürgerversammlung wurden die Argumente von Vertretern aus der jeweiligen Gruppe vorgestellt und dann von allen diskutiert und hinterfragt. Schnell entstand eine hitzige Diskussion in der drunter und drüber ging. So wurde klar, es muss Spielregeln geben, die problemlos zusammengetragen werden konnten: „Ausreden lassen“, „Sachlich bleiben“, „Rednerliste“, „gegenseitige Wertschätzung der Argumente“. Leicht gesagt! Im Eifer der Debatte viel dies nicht immer leicht. Also musste ein Moderator her. Und schon ging es besser. Die Diskussion wurde ruhiger, sachlicher und von den Schülern sehr ernst genommen. Auch eher stillere Schüler kamen zu Wort. Nachdem die Argumente ausgetauscht waren folgte die zweite Abstimmung. Und siehe da, das Ergebnis hatte sich verändert.

In der Reflexion darüber erkannten die Schüler schnell, dass sie einige Argumente der „Gegenseite“ zum Nachdenken gebracht hätten. Manche änderten sogar ihre Meinung. Einhellig war man sich einig, dass das diskutieren Spaß gemacht habe und dass so manch ein Politiker von den Schülern noch etwas lernen könne. Auf die Frage von mir, ob sie sich denn vorstellen könnten, dass die ganze Gesellschaft ein Thema diskutiert um anschließend darüber abzustimmen meinte eine Schülerin: „Das wäre schon eine gute Sache, dann würde ich mich viel mehr für Politik interessieren. Zuerst hatte ich keine so richtige Meinung zu dem Thema. Durch die gute Diskussion und die vielen Argumente konnte ich mir aber eine Meinung bilden. Das können die Bürger auch.“ Einziger Wermutstropfen zum Schluss war dann jedoch, dass die minderjährigen noch nicht bei der „Abstimmung über die Abstimmung“ teilnehmen dürfen. Aber bis sie schließlich wahlberechtigt sind haben wir ja den bundesweiten Volksentscheid!


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